Herpes

Es gibt verschieden Equine Herpesvirustypen. Klinisch relevant sind vor allem Typ 1 und 4. Diese beiden Typen sind in den meisten Pferdepopulationen weltweit zu finden. Eine Herpesvirusinfektion kann bei Pferden respiratorische Erkrankungen auslösen, es können aber auch Aborte bei Stuten sowie Störungen des Nervensystems (neurologische Form) verursacht werden.

Das Herpesvirus unterscheidet sich in zwei Typen. Das Equine Herpesvirus Typ 1 (EHV-1) kann bei Stuten einen Abort oder bei allen Pferden neurologische Erkrankungen auslösen, die durch Paresen und Paralysen gekennzeichnet sind und in der Mehrzahl der Fälle zum Tod des Tieres führen.
Während EHV-1 nur sehr selten eine Atemwegserkrankung (respiratorische Form) auslöst, kommt es bei Erkrankungen durch das Equine Herpesvirus Typ 4 (EHV-4) sehr häufig zu einer Infektion der Atemwege.
Die Übertragung der Herpesviren geschieht entweder direkt über Nasen- und Augenausfluss oder via Tröpfcheninfektion.

In Deutschland konnten 40 % aller Aborte auf eine Infektion mit EHV-1 zurückgeführt werden. Hier kann es zu einem sporadischen Auftreten oder einem seuchenhaften Verlauf kommen. Die Inkubationszeit beträgt im Falle des Stutenaborts bis zu vier Wochen. Grundsätzlich können die EHV-1 bedingten Aborte vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit beobachtet werden (95% der gesamten Herpes-bedingten Aborte).  Aus diesem Grunde wird das Virus auch als Stutenabort-Virus bezeichnet.
Wenn es bei einer Herpesinfektion nicht zwischen dem 8. bis 10. Monat zu einem Verfohlen kommt und ein lebendiges Fohlen geboren wird, ist dieses meist sehr lebensschwach und überlebt in der Regel die erste Lebenswoche nicht.

Sollte bei Deinem Pferd eine durch Herpes bedingte neurologische Störung auftreten, handelt es sich hierbei meist nicht um eine Neuinfektion, sondern um eine Reinfektion mit EHV-1 bzw. um das Reaktivieren einer latenten bzw. persistierenden Infektion durch Stress. Allerdings erkranken nur etwa 10 % aller mit EHV1 infizierten Tiere neurologisch. Häufig tritt die neurologische Form des Equinen Herpesvirus bei älteren Pferden auf.

Respiratorische Form

Die Inkubationszeit beträgt zwei bis zehn Tage. Nach dieser Zeit können bei betroffenen Pferden Symptome wie Nasenausfluss, vergrößerte Kehlgangslymphknoten, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und einen Anstieg der Körpertemperatur auf über 40°C auftreten. Pferde können bei einer Infektion mit dem Herpesvirus außerdem eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) entwickeln oder einen Leistungseinbruch haben.

Meist tritt nur eine subklinische (= leicht verlaufende / klinisch nur schwer erkennbare) Infektion der oberen Atemwege binnen 8-14 Tagen auf, die ohne Komplikationen wieder abklingt. Ein akuter Verlauf tritt meist bei Fohlen, Absetzern oder Jährlingen auf. Infizierte Fohlen zeigen dann ca. 18-24 Stunden nach der Geburt Schwäche sowie Atemnot oder versterben.

Erkrankte Pferde können auch eine bakterielle Sekundärinfektion erleiden. Diese erkennt man unter anderem an eitrig-schleimigem Nasenausfluss oder einer auftretenden Bronchopneumonie. Die Infektion kann sich auf die unteren Atemwege ausbreiten und sich mit starkem Husten, Lungenentzündung oder Fieber äußern.

Neurologische Form

Der zeitliche Abstand zwischen initialer Herpesvirusinfektion des Respirationstraktes und den folgenden neurologischen Symptomen beträgt etwa sechs bis zehn Tage.

Wenn ein Pferd mit EHV-1 infiziert ist, können unterschiedliche Symptome des Zentralnervensystems auftreten. Der Schweregrad der Symptome ist abhängig von der neurodegenerativen Schädigung. Bei einer milden Verlaufsform kommt es nur zu leichten Ataxien, bei einer schweren Verlaufsform können Lähmungen auftreten und die Tiere festliegen. Letztere müssen meist aufgrund von Komplikationen eingeschläfert werden.

Die Behandlung von Pferden mit nachgewiesener EHV-Infektion besteht grundlegend in der symptomatischen Therapie. Hierbei können je nach Symptomatik Breitspektrumantibiotika, entzündungshemmende Medikamente oder Anti-Herpesviren-Präparate zum Einsatz kommen.

Die Folgen einer Herpeserkrankung können von schwerwiegender Bedeutung sein.

Eine regelmäßige Schutzimpfung mit einem 6-monatigen Impfintervall wird daher sowohl von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet), als auch von der Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) empfohlen. Die StIKo Vet zählt die Impfung gegen das Equine Herpesvirus sogar zu den Core-Vakzinen, das heißt, dass jedes Pferd zu jeder Zeit einen aktiven Impfschutz gegen diesen Erreger aufweisen sollte.

Um eine Infektion mit dem Equinen Herpesvirus zu vermeiden, sollte eine regelmäßige Impfung des gesamten Bestandes durchgeführt werden. So kann die Virusausscheidungen um bis zu 90 % gesenkt und Neuinfektionen können erfolgreich reduziert werden. Es gilt: Je mehr Pferde geimpft sind, desto niedriger ist der Infektionsdruck!

Wenn Du ein Fohlen hast, so ist Dein Fohlen durch die Aufnahme maternaler Antikörper (Passive Immunisierung) über das Kolostrum in den ersten Lebenswochen geschützt, wenn die Mutter ausreichend geimpft wurde. Dein Fohlen kann in einem Alter von sechs Monaten zum ersten Mal gegen Herpes geimpft werden.

  • Virusinfektion
  • Verbreitung: Weltweit
  • Übertragung: Tröpfcheninfektion
  • Symptome, abhängig von Virus-Typ, u.a.
    Atemwegserkrankungen:
    Fieber
    Abgeschlagenheit
    Appetitlosigkeit
    Vergrößerte Kehlgangslymphknoten
    Nasen- & Augenausfluss
    Aborte
    – Neurologische Erkrankung
    Schlagartiger Beginn
    Rasche Verschlechterung
    Kopfschiefhaltung
    Ataxie
    – Harn- & Kotabsatzprobleme
  • Behandlung:
    – Symptomatisch
  • Prophylaxe:
    – Schutzimpfung
    – Herdenmangement

Zum Schutz vor dem Herpesvirus solltest Du Dein Pferd impfen lassen. Aktuell steht dafür ein Lebensimpfstoff der MSD Tiergesundheit zur Verfügung, der laut der Ständigen Impfkommission Vet. (StiKo Vet.) Vorteile gegenüber dem herkömmlichen inaktiven Totimpfstoff hat. Denn nur der Lebendimpfstoff bietet sowohl eine Antikörper-vermittelte als auch eine Zell-vermittelte Immunabwehr. Um einen ausreichenden Immunschutz aufrechtzuerhalten, musst Du dafür sorgen, dass Dein Pferd regelmäßig alle sechs Monate eine Auffrischung der Impfung erhält. Denn Experten sprechen davon, dass mehr als 80 Prozent aller Pferde in Deutschland mit dem Virus infiziert sind, also sogenannte Träger sind.

Doch nicht immer bricht es aus. Gerät ein infiziertes Pferd unter Stress oder schwächelt sein Immunsystem, können die Herpesviren reaktiviert werden. Durch eine Grundimmunisierung und regelmäßige, konsequente Wiederholungsimpfungen ist der Schutz Deines Pferdes am besten gesichert.Wichtig ist dabei auch, dass immer alle Pferde im Stall gleichzeitig geimpft werden, um eine möglichst hohe Wirksamkeit zu erzielen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Pferde geimpft sind, desto niedriger ist der Infektionsdruck!